Autoimmunerkrankungen
Unser Immunsystem besitzt die Fähigkeit, körpereigene Strukturen von körperfremden Zellen und Substanzen zu unterscheiden. Als "selbst" erkannte Gewebe werden toleriert, gegen körperfremde Substanzen wird reagiert. Treten jedoch Störungen im Erkennungsmechanismus auf, so kann das Immunsystem irrtümlich zum Angriff auf körpereigenes Gewebe übergehen, und es kommt zur Manifestation von Erkrankungen, die als Autoimmunkrankheiten bezeichnet werden.
Der Nachweis von Autoantikörpern signalisiert nicht immer eine Krankheit. So haben mehr als 40 Prozent der über 60-jährigen Gesunden schwachpositive Titer von antinukleären Antikörpern. Bei Kindern dagegen können unter Umständen schon Titer von 1:10 oder 1:20 als klinisch relevant betrachtet werden. Viele Autoantikörper erlauben nur unter Berücksichtigung des klinischen Bildes, des Alters und der Verlaufsuntersuchungen eine diagnostische Aussage.
Die am häufigsten eingesetzte Methode zum Nachweis von Autoantikörpern ist die indirekte Immunfluoreszenz. Sie eignet sich zum Screening, wie auch zur quantitativen Titerbestimmung.
Zum Screening auf Antinukleäre Antikörper (ANA) hat sich die HEp 2-Zelle
("Humane Epithelzelle") durchgesetzt. Es handelt sich hierbei um eine humane
Larynxkarzinomzelllinie. Krebszellen zeichnen sich durch eine vermehrte
Teilungsaktivität aus, wodurch sämtliche Stadien der mitotischen Zellteilung
nachweisbar sind. Dies ermöglicht die Bestimmung der unterschiedlichen
Antikörpermuster.
Crithidia luciliae ist ein Einzeller, der eine einzelne, am Pol
zentrierte Geißel besitzen. Diese Flagellaten besitzen ein
Riesenmitochondrium, den sogenannten Kinetoplasten, mit ringförmiger
Doppelstrang DNA, einen Zellkern und meist ein Basalkörperchen. Dieses liegt
am Ansatz der Geißel und steuert deren Energieversorgung. Wenn Antikörper
gegen dsDNA im Serum vorhanden sind, fluoresziert der Kinetoplast stark. Die
Crithidien werden als Methode der Wahl zu Rate gezogen, um den Verlauf eines
SLE (Systemischer Lupus Erymathodes) zu kontrollieren.
Einige Autoantikörper lassen sich nur durch den Einsatz von Gewebeschnitten genauer identifizieren. Für eine Vielzahl dieser Antikörper setzt man Rattenleber-, -magen- und nierenschnitte ein. Viele dieser Antikörper zeigen auf der HEp 2-Zelle ein zytoplasmatisches Muster.
Auf Rattenleber sind Antikörper gegen glatte Muskulatur (ASMA),
Antimitochondriale Antikörper (AMA) und Liver-kidney mirkosomale Antikörper
(LKM) sichtbar. Antinukleäre Antikörper (ANA) färben auch in den
Gewebeschnitten die Kerne an, jedoch fehlen hier die Mitosezellen, da sich
die Zellen in der Interphase befinden.
Zur Bestimmung von Antimitochondrialen Antikörpern (AMA) wird vorrangig
Rattenniere eingesetzt, man kann hier außerdem auch noch Antikörper gegen
den Bürstensaum der proximalen Tubuli (ABBA) bestimmen.
Auf dem Rattenmagen weist man hauptsächlich Antikörper gegen die glatte
Muskulatur (ASMA) und Antiparietalzellen Antikörper (APCA) nach.
Bei den meisten Antikörpermustern ist es jedoch ratsam alle drei Gewebe anzusehen, um die Antikörper besser differenzieren zu können.
Zum Nachweis von Antikörpern gegen Thyreoglobulin und Schilddrüsenmikrosomen sind Affenschilddrüsen-Gewebeschnitte verfügbar.
Gewebeschnitte vom Affenösophagus werden zur Bestimmung von
Pemphigus/Pemphigoid- Antikörpern eingesetzt. Zur besseren Identifizierung
und Unterscheidung dieser Antikörper stehen heute sensitive ELISA-Teste zur
Verfügung, bei denen die rekombinanten Antigene Dsg1, Dsg3 und BP-180
eingesetzt werden.

